Ausstellung

Rut Kohn     Werkschau

Ausstellungsdauer   06. Juli bis 05. Oktober 2019
Öffnungszeiten   Samstag und Sonntag
jeweils von 14.00 - 18.00 Uhr
Eintrittspreis   Der Eintritt ist frei

Gezeigt werden 85 Arbeiten


Rut Kohn

Rut Kohn
1953 - 57 Studium an der pädagogischen Schule in Prag
1967 Emigration mit ihrer Familie nach Deutschland
1967 – 1968 erste große Ausstellung in München
1986 Auszeichnung: Haus der Kunst, München Blockbeitrag
1988 Auszeichnung: Haus der Kunst, München Graphikpreis
1990 erste Ausstellung in ihrer Heimat
1991 Seerosenpreis der Stadt München
2006 Tschechischer Staatspreis „Bedeutende tschechische Frau in der Welt“ Die Künstlerin lebt und arbeitet in Figling bei Triftern im Landkreis Rottal - Inn

Ausstellungen:

Seit 1977 u. a. in Basel, Berlin, Burghausen, Deggendorf, Eggenfelden, Erlangen, Ingolstadt, Innsbruck, Kloster Asbach, Kuttenberg, Landshut, München, Marienbad, Neuburg/Inn, Paris (Grand Palais), Passau, Pfarrkirchen, Pisek, Prag, Salzburg, Stuttgart, Zürich Ausgestaltung der Kapelle von Grillenöd.

Rut Kohns Betätigungsfeld ist die Zeichnung und vor allem die Malerei mit Buntstiften auf Sperrholzplatten, aber auch die Aquarell- und Ölmalerei. Gezeichnet habe sie immer, ernsthaft betrieben habe sie die Malerei aber erst nach der Emigration der Familie nach Deutschland. Da Ölfarbe, Leinwand und Keilrahmen in größeren Mengen verbraucht, kostspielig sind, nutzte Rut Kohn eine übrig gebliebene Sperrholzplatte als Maluntergrund. Sie benutzte Bleistifte und weiche Farbstifte als Malutensilien und entwickelte schnell ihren eigenen, ganz persönlichen Stil. Sie bezog die Eigenart der Holzstruktur sowie die Eigenfarbigkeit des Maluntergrundes in ihre Bildkomposition mit ein und schuf zarte, fast flirrend filigrane Landschaften oder Porträts, die meist wie aus einer anderen Welt herübergeworfen aussehen.

Die Themen mit denen sich die Malerin Rut Kohn beschäftigt leiten sich meist aus dem Religiösen ab. Die Künstlerin nutzt biblische Stoffe und vorchristliche Überlieferungen um Bildreihen und Bilderzyklen zu schaffen, die Fresken in Kirchen gleich, dem Betrachter Geschichten erzählen. Teilweise ergänzt sie diese mit erklärenden Bibelstellen um den Charakter des sakralen zu unterstreichen. Ein weiterer Bestandteil ihres Werkes sind Buchillustrationen. Sie illustrierte u. a. die deutsche Ausgabe von Johann Amos „Comenius - Das Labyrinth der Welt und - Das Paradies des Herzens“ - sowie „Der Blumenstrauß“ eine 2011 erschienene Sammlung alter böhmischer Sagen des tschechischen Dichters, Schriftstellers und Historikers Karl J. Erben (1811 – 1870).

Rut Kohns Bilderwelt ist real, die Abstraktion ist nicht ihr zuhause. Obschon die Künstlerin gerne mit der bunten Palette der Farbvariationen spielt, begegnet man in ihren Werken wenig Spielerisches. Rut Kohns Bilder sind thematisch durchzogen von stringenter Ernsthaftigkeit. Die Leichtigkeit des Seins in Rut Kohns Kunstwelt ist dabei ganz und gar nicht unerträglich sondern ihr Ausdruck konstanter malerischer Disziplin. In Rut Kohns Bilderwelt findet man sich gut zurecht, alles ist an seinem Platz. Die Protagonisten halten sich an die Regeln, keiner hüpft ungefragt aus dem Bildquadrat.

Rut Kohn malt was sie sieht und empfindet was sie malt. Gelingt es zu malen was man empfindet, stößt man das Tor zur Kunst auf und gibt der Phantasie einen Platz. Über Jahrzehnte hat sich die Künstlerin eine bevorzugte Maltechnik angeeignet und verfeinert, dass sie einer Pianistin gleich, Gefühle direkt auf den Maluntergrund zaubern kann. Trotz ihrer eisernen Disziplin, kommt sie gelegentlich in ihren Bildern ins Schwärmen. In heiterer Leichtigkeit tanzen dann die Farben auf der Bildoberfläche, es entstehen Ausnahmebilder spielerischer Leichtigkeit in formaler Ungezwungen-heit.

In Rut Kohns Bilderwelt wird nicht gekämpft. Verstand und Gefühl haben sich auf ein faires Miteinander eingerichtet. Wie harmonisch der Besucher, in diesem Falle Sie, meine sehr verehrten Gäste, dies zu sehen bekommen, entscheidet die Künstlerin bei jedem Strich, bei jeder Farbwahl die sie trifft, während sie malt.

Rut Kohns thematische Orientierung ist vielfältig. Von Porträts, Häusern und Kanaldeckel, malt sie Stillleben-Serien und sakrale Bildergeschichten. Viele Arbeiten der Künstlerin beschäftigen sich mit dem Themen Werden und Vergehen.

Ein großes Thema der Malerin ist Franz Kafka. Sie verarbeitet das Schloss und der Prozess in ausgedehnten Bilderzyklen. Darüber hinaus ist das Umfeld Kafkas, mit Porträts der Familienmitglieder ein ausgedehntes Betätigungsfeld der Künstlerin. Dabei liegt über allem die Hintergründigkeit und Mehrdeutigkeit, die wir aus dem Werk des böhmisch-österreichischen Literaten kennen.

Rut Kohn ist eine sehr produktive Künstlerin. Ihr Archiv umfasst ein prall gefülltes Oeuvre. Wenn man weiß, wie aufwendig ihre Malweise ist, kann man erahnen wie viel Lebenszeit die Künstlerin in ihre Malerei steckte. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ wie es Karl Valentin so treffend formulierte, trifft bei allen Kunstschaffenden zu die etwas Besonderes leisten wollen, besonders aber für die Buntstiftmalerei von Rut Kohn.