Ausstellung

Karl-Heinz Brecheis     Cartoon

Ausstellungsdauer   28. Juli bis 07. Oktober 2018
Öffnungszeiten   Samstag und Sonntag
jeweils von 14.00 - 18.00 Uhr
Eintrittspreis   Der Eintritt ist frei

Gezeigt werden ca. 190 Arbeiten


Karl Heinz Brecheis

Karl-Heinz Brecheis
1951 geboren am 26. Juli 1951 in Simbach am Inn
1972 Abitur am Tassilo Gymnasium in Simbach am Inn
1982 Diplom im Fach Grafik-Design an der FHS München
anschließend freiberufliche Tätigkeit als Grafiker und Illustrator lebt und arbeitet in München

Versuche Humor bildhaft umzusetzen gab es bei Karl-Heinz Brecheis früh. Schon als Schüler zeichnete und malte er gerne und bereits damals zeigte sich in seinen Arbeiten ein starker Hang zur Satire. Dass sich der Künstler nach seiner Ausbildung zum Grafik-Designer als Cartoonist zu etablieren begann war daher nichts Ungewöhnliches. Wichtig dabei war, dass er eine eigene Zeichenfigur entwickelte, die eine unverwechselbare Eigenständigkeit ermöglichte. Einen Figurtypus den der Leser leicht wiedererkannte und schnell zuordnen konnte. Dieser Prozess dauerte, so Karl-Heinz Brecheis, annähernd 10 Jahre.

Mitte der 1980er Jahre stellten sich die ersten nennenswerten Erfolge mit Veröffentlichungen von Cartoons in der Zeitschrift BUNTE ein. 1987 gewann Karl-Heinz Brecheis den damals von der Zeitschrift QUICK veranstalteten Wettbewerb für Nachwuchscartoonisten. Der TOMUS-Verlag wird auf ihn aufmerksam und produziert in den folgenden 10 Jahren mehr als 20 Bücher mit Cartoons von Karl-Heinz Brecheis. In den Jahren 1990/1991 wird der Künstler zum wohl weltweit größten Cartoon-Contest, dem JOMIURI International Cartoon Contest nach Japan eingeladen und erhält dort mehrere Ehrenmedaillen. 1998 gewinnt Karl-Heinz Brecheis die Goldene Feder bei dem von der Stadt Lübben/Spreewald ausgeschriebenen Grafikatur-Preises zum Thema „Tierisch gut“.

2004 erhält Karl-Heinz Brecheis von der Paulaner Brauerei München den Auftrag den 12. Paulaner Künstler-Krug zu gestalten. In den Jahren 2005 und 2014 gewinnt der Künstler jeweils den Publikumspreis beim alljährlich stattfindenden Deutschen Karikaturen-Wettbewerb in Dresden.

Seit dem Ende der 1980er Jahre erscheinen von Karl-Heinz Brecheis in loser Folge mehrere eigene Bücher bzw. beteiligt sich der Künstler an Cartoon-Bänden zusammen mit anderen Satirezeichnern. Dabei arbeitet Karl-Heinz Brecheis mit dem ROSENHEIMER Verlag, dem FACKELTRÄGER Verlag, dem LAPPAN/CARLSEN Verlag und dem bereits erwähnten TOMUS Verlag zusammen.

Als freischaffender Cartoonist arbeitete Karl-Heinz Brecheis als freier Mitarbeiter von Printmedien wie QUICK, HÖRZU; GONG, RUNNER´S WORLD, FUNKUHR, AUTO-BILD, EULENSPIEGEL, BILD DER FRAU, der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG sowie verschieden regionalen Zeitungen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich unter anderem eine rege Zusammenarbeit mit den Großkonzernen BASF, QUELLE und der SIEMENS AG. Für die Firma G.I.T-Seminare gestaltete der Künstler Sprachkurs-Videos. Außerdem bekam der Künstler Aufträge für Cartoons von Geldinstituten und DGB-Organisationen die seine Arbeiten vor allem für firmeneigene Schulungszwecke verwendeten.

Karl-Heinz Brecheis beteiligte sich an unzähligen Gemeinschaftsausstellungen. Einzelausstellungen waren unter anderem in Hamburg, Augsburg, Bad Griesbach und Bad Birnbach zu sehen.

Die menschliche Existenz und deren Tatendrang bietet für das geschulte Auge und die ausschweifende Phantasie eines Satirezeichners ein unermessliches Feld an Zeichenstoff. Nicht, dass alles, was sie hier auf den kleinformatigen Arbeiten von Karl-Heinz Brecheis zu sehen bekommen tatsächlich ständig so oder so ähnlich passiert, aber es könnte Sekunden zuvor genauso abgelaufen sein. Die entscheidenden Sekunden, die sie, die man, zu spät dran ist. Hier springt der Cartoonist ein, mit flinkem Strich vervollständigt er das Geschehen und malt es dekorativ aus um es ihnen ordentlich gerahmt vor die Nase zu hängen. Natürlich fehlt bei ihrem Zahnarztbesuch wie auf einem Cartoon von Karl-Heinz Brecheis gezeichnet der Hinweiszettel an der Behandlungszimmertüre mit der Aufschrift „hier hört der Spaß auf“, weil die Sprechstundenhilfe diesen, kurz bevor sie das Wartezimmer betreten, entfernte. Oder finden sie es absurd wie in einem anderen Cartoon von Brecheis zu bestaunen ist, dass Gärtner sich ihrer aus der Reihe geratenen Pflanzenzöglinge mit einem gezielten Schuss aus einem großkalibrigen Revolver entledigen. Wer von uns kann mit Gewissheit sagen was sich in Gärtnereien so alles zuträgt.

Karl-Heinz Brecheis stellt in seinen Cartoons für den Betrachter oft durchaus nachvollziehbare Lebenssituationen dar, auch wenn diese anfangs für viele eher irreal erscheinen. Er wirft dabei seine Ideen nicht in wenigen Strichen auf das Zeichenpapier, sondern arbeitet seine Cartoons aufwendig farbig und bis ins kleinste Detail aus. Dabei nimmt das Geschehen in seinen Cartoons unvorhersehbare Wendungen oder resümiert scheinbar Alltägliches zu einem überraschenden Finale. Oft setzt die Sprechblase den Punkt auf das i. Um das Geschehen in den Arbeiten von Karl-Heinz Brecheis zu verstehen reicht dem Betrachter kein flüchtiger Blick. Bei ihm sind Bild und Text zu erfassen bevor einem das Licht aufgeht und der Joke zündet. Der Künstler spielt nicht nur mit der Zeichenfeder sondern auch mit dem Wortwitz.

In Cartoons sind die gezeichneten Protagonisten meist mit maximalem Einsatz und einem Höchstmaß an Ernsthaftigkeit bei der Sache oder beherrschen gelassen die Situation. Jeder Cartoonist hat dabei seine eigene Handschrift seine unverwechselbare Art und Weise seine Protagonisten dazustellen. Es brauchte Jahre, so der Künstler, bis er einen Figur-Typus entwickelt hatte, den er für geeignet hielt, sich in seiner Bilderwelt zu tummeln. Außerdem beschäftigt sich Karl-Heinz Brecheis intensiv damit aus welchem Blickwinkel dem Betrachter seiner Satirezeichnungen die dargestellte Szene dargeboten wird. Der Blickwinkel spielt für den Künstler eine entscheidende Rolle bei der schnellen Erfassung der Szene und der Pointe-Erkennung.

Karl-Heinz Brecheis thematisches Betätigungsfeld in seinen satirischen Zeichnungen ist breit. Außer der politischen Karikatur bespielt er alle Themenfelder mit der die menschliche Existenz in Berührung kommen könnte. Seine Arbeiten sind gezeichnete meist komplexe Aktionsfelder ja Kurzgeschichten mit Sprechblasentexten die sich auf das Wesentliche reduzieren. Karl-Heinz Brecheis betreibt keine Gesellschaftskritik in seiner Arbeit er karikiert vielmehr Alltägliches zu satirisch pointierten Darstellungen die ein tiefes Verständnis phantasievoller Situationskomik verraten lassen. Plumpe Schenkel-klopfer sind seinen Arbeiten ebenso fremd wie derb Anzügliches. Seine Sicht auf die Dinge sind feinironische Humoresken, die stets von einer tiefen Ehrlichkeit begleitet werden. Karl-Heinz Brecheis schafft mit seinen gezeichneten Protagonisten Humorvolles nie Lächerliches oder stellt sie in seinen Cartoons bloß. Auch in den komischsten Situationen behalten sie ihre Würde. Schadenfreude oder banale Häme sind ihm fremd. Humor hat bei Karl-Heinz Brecheis viel mit Ethik zu tun. Unbewusst zeichnet er damit gegen die kulturelle Verwahrlosung und Ausbleichung des Humors an.

In Zeiten medial beherrschter Leben hängt die Medienpräsenz an der Quote. Wer am lautesten schreit wird am besten gehört und am meisten beachtet. Auf den Inhalt der Botschaft wird weniger geachtet. Nun ist das Schreien nicht jedem gegeben, so führt der klassische Cartoon seit Jahren ein eher bescheidenes Dasein. Bekam man in den guten Zeiten regelmäßig in Zeitungen und vor allem Zeitschriften Satirezeichnungen zu sehen, so sind diese jetzt die Ausnahme. Die Satirezeichnung wird in den Printmedien mehr und mehr abgedrängt. Feinsinnig Ironisches braucht zum Verständnis zumindest etwas Gelassenheit und Muße. In unserer Tempogesellschaft scheint vor allem dies auf der Strecke geblieben zu sein. Wie es scheint fehlt den Menschen heute nicht nur die Zeit sondern mehr und mehr auch das Verständnis für Humoriges.

Mit der Ausstellung der Cartoons von Karl-Heinz Brecheis, haben wir im Museum Zollhaus einen Schlenker in ein Metier vollzogen das uns nicht vertraut ist, aber allseits große Freude breitete. Dabei hat sich auch gezeigt, dass jeder seine eigene Sichtweise der Dinge hat. Witz ist beileibe nicht für jeden Witz und schon gar nicht zum Lachen. Hält sich der eine den Bauch vor Lachen entlockt es dem anderen ein nebensächliches Schmunzeln.